Eine kurze Nachlese zur Europameisterschaft in Hereford

Wie der 6. Platz der deutschen Blindenfußballer einzuordnen ist

Noch nie hatte sich eine deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft so akribisch und engagiert auf eine internationale Meisterschaft vorbereitet wie in diesem Jahr auf die Europameisterschaft in England, die vom 22.-29. August in Hereford stattfand. Am Ende sprang dann ein 6. Platz unter den 10 teilnehmenden Mannschaften heraus – Grund zur Enttäuschung?

Ja und Nein!

JA, weil wir alle wissen, dass unser Team in voller Besetzung eine sportliche Qualität hat, die es mit allen anderen Spitzenmannschaften in Europa aufnehmen kann. Und JA, weil diese Mannschaft ein großartiges Team ist, das sehr gut zusammenpasst und miteinander harmoniert, und deshalb auf dem Weg zu weit größeren Erfolgen ist, als es diese Europameisterschaft erbracht hat. Wir alle im deutschen Team hatten von der EM 2015 mehr erhofft, aber die widrigen Umstände ließen mehr nicht zu. Wie das?

Deshalb: NEIN, keine Enttäuschung, denn angesichts einer schier unglaublichen und nie dagewesenen Verletzungs- und Unfallmisere kurz vor und auch noch bei der EM war mehr einfach nicht drin! Von den ursprünglich 10 nominierten Spielern (2 Torleute und 8 Feldspieler) erlitten seit den Länderspielen gegen Spanien Ende Juli in Göttingen nicht weniger als 7 (also 70 %!!!) Verletzungen, fast immer sehr schwere, die bei 4 Spielern zum Totalausfall, bei weiteren 3 Spielern zu großen Trainingsrückständen führten.

Unter diesen Umständen ist unser sportlicher Erfolg dann eben doch ansehnlich: Mit einem 0:0 gegen den späteren Europameister Türkei und zwei Siegen gegen Polen (2:0) und Italien (1:0) bei einer 2:0-Niederlage gegen den Gastgeber England scheiterten wir nur durch das schlechtere Torverhältnis am Erreichen des Halbfinales, unserem erklärten Ziel. So gab es dann ein Spiel um Platz 5 gegen Frankreich, das ebenfalls 0:0 endete und erst im 6-Meterschießen für die Franzosen entschieden wurde.

Was nun?

Alle Beteiligten im Nationalteam sind sich einig: Wir haben jetzt zwei Jahre Zeit, um dann bei der nächsten EM 2017 erfolgreich zu sein (und uns für die dann folgende Weltmeisterschaft 2018 zu qualifizieren). England, Russland und die Türkei haben uns vorgemacht, wie man nach zwei Jahren Aufbauarbeit um die Krone im europäischen Blindenfußball mitspielen kann. Wir alle im Team wollen diese zwei Jahre mit all unserer Kraft nutzen, um unsere Mannschaft technisch, taktisch und körperlich noch leistungsfähiger zu machen.

Dazu wird der Bundestrainer in Abstimmung mit dem Team-Manager in den nächsten Wochen Planungen durchführen, um (mit teilweise verändertem Kader und Betreuerteam) das mittelfristige Ziel EM 2017 in Angriff zu nehmen.

Erster Schritt dahin ist ein Turnier in Kairo, zu dem die deutsche Mannschaft bereits Anfang Oktober reisen wird, um dort zwei Länderspiele auszutragen.